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Die Griechische Landschildkröte
Testudo hermanni (Gmelin, 1789)

Abb. 1 Griechische Landschildkröte (Testudo hermanni boettgeri) tankt Wärme im natürlichen Lebensraum auf der Insel Korfu (siebtgrößte Insel Griechenlands)
Die Griechische Landschildkröte ist die am häufigsten in menschlicher Obhut anzutreffende Art. Sie erreicht eine Panzerlänge von durchschnittlich 20 cm und zählt somit zu den kleinen bis mittelgroßen Landschildkröten. Ihr natürliches Vorkommen erstreckt sich über den europäischen Mittelmeerraum.
Inhaltsangabe dieser Seite:
- 1 Wissenschaftliche Einordnung (Taxonomie)
- 2 Erscheinungsform (Habitus)
- 2.1 Rückenpanzer (Carapax)
- 2.2 Bauchpanzer (Plastron)
- 2.3 Kopf (Caput)
- 2.4 Vordergliedmaßen
- 2.5 Hintergliedmaßen
- 2.6 Schwanz (Cauda)
- 2.7 Jungtiere
- 3 Unterarten (Subspecies)
- 3.1 Italienische Landschildkröte (Testudo hermanni hermanni)
- 3.2 Griechische Landschildkröte (Testudo hermanni boettgeri)
- 4 Unterscheidung der Geschlechter (Sexualdimorphismus)
- 4.1 Weibchen
- 4.2 Männchen
- 5 Statistik/Wissenswertes
- 5.1 Allgemeines
- 5.2 Fortpflanzung
- 5.3 Winterstarre (Hibernation)
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1 Wissenschaftliche Einordnung (Taxonomie)
Klasse: Reptilia (Reptilien)
Ordnung: Testudines (Schildkröten)
Unterordnung: Cryptodira (Halsberger)
Familie: Testudinidae (Landschildkröten)
Gattung: Testudo (Paläarktische Landschildkröten)
Art: Hermanni (Griechische Landschildkröte)
2 Erscheinungsform (Habitus)
2.1 Rückenpanzer (Carapax)

Abb. 2.1 Weibliche Griechische Landschildkröte (Testudo hermanni boettgeri), Dorsalansicht

Abb. 2.2 Weibliche Griechische Landschildkröte (Testudo hermanni boettgeri), Lateralansicht
Der Rückenpanzer (Carapax) der Griechischen Landschildkröte ist je nach Unterart und Lokalform mäßig bis stark gewölbt und weist seitlich gesehen eine semiovale Form auf.

Abb. 2.3 Nackenschild der Griechischen Landschildkröte (Testudo hermanni boettgeri)
Im Bereich des langgezogenen und schmalen Nackenschildes (Cervicale) befindet sich eine schwache Einbuchtung.

Abb. 2.4 Wirbelschild der Griechischen Landschildkröte (Testudo hermanni boettgeri)
Die trapezförmigen Wirbelschilde (Vertebralia) sind mit Ausnahme des fünften Schildes etwa genauso breit wie lang.

Abb. 2.5 Schlüssellochzeichnung bei einer intensiv gefärbten Griechischen Landschildkröte (Testudo hermanni boettgeri)
Das fünfte bzw. letzte Wirbelschild (Vertebrale) ist länger ausgebildet und mit einer mehr oder weniger ausgeprägten Schlüssellochzeichnung versehen, welche besonders bei der westlichen Unterart Testudo hermanni hermanni kontrastreich dargestellt ist.

Abb. 2.6 Geteiltes Schwanzschild einer Griechischen Landschildkröte (Testudo hermanni boettgeri)
Das Schwanzschild (Supracaudale) ist in den meisten Fällen vertikal geteilt...

Abb. 2.7 Ungeteiltes Schwanzschild einer Griechischen Landschildkröte (Testudo hermanni boettgeri)
...kann jedoch bei manchen Exemplaren auch ungeteilt sein.

Abb. 2.8 Typische Färbung der östlichen Griechischen Landschildkröte (Testudo hermanni boettgeri)
Die Grundfärbung der Griechischen Landschildkröte variiert stark. Möglich sind die Farben Beige, Ocker, Postgelb und Korngelb.

Abb. 2.9 Kräftige Färbung einer Griechischen Landschildkröte (Testudo hermanni boettgeri)
Auf den einzelnen Schilden befinden sich je nach Unterart und Lokalform Zeichnungen in verwaschenem Braun oder kräftigem Schwarz.

Abb. 2.10 Griechische Landschildkröte (Testudo hermanni boettgeri) im natürlichen Lebensraum auf Korfu
Die Rippenschilde (Costalia) sind in einem nach hinten gerichteten Streifen frei von Zeichnungen, d. h. der Schwerpunkt der Zeichnungen liegt im mittleren und vorderen Bereich der Schilde.
2.2 Bauchpanzer (Plastron)

Abb. 2.11 Bauchansicht (Ventralansicht) einer weiblichen Griechischen Landschildkröte (Testudo hermanni boettgeri)
Typisch für die Griechische Landschildkröte ist eine längsgerichtete und dunkel gefärbte Bänderung, welche je nach Unterart durchgehend vorhanden oder mehr oder weniger unterbrochen ist.
Der Plastron von Testudo hermanni ist starr und weist kein Scharnier auf.

Abb. 2.12 Achselschid (Axillare) der Griechischen Landschildkröte (Testudo hermanni boettgeri)
Auf jeder Seite befinden sich ein schmales Achselschild (Axillare)...

Abb. 2.13 Hüftschild (Inguinale) der Griechischen Landschildkröte (Testudo hermanni boettgeri)
...und in der Regel auch ein dreieckiges Hüftschild (Inguinale).
2.3 Kopf (Caput)

Abb. 2.14 Dorsale Ansicht des ellipsenförmigen Kopfes einer männlichen Griechischen Landschildkröte (Testudo hermanni boettgeri)
Der Kopf der Griechischen Landschildkröten weist von oben (dorsal) gesehen eine ellipsenähnliche Form auf. Die Nase steht dabei etwas hervor.

Abb. 2.15 Kopfstudie einer weiblichen Testudo hermanni hermanni
Die Grundfarbe des Kopfes ist meist grau-schwarz. Die Wange sowie der Nackenbereich können je nach Unterart und Lokalform mehr oder weniger mit Gelb- oder Grünanteilen versehen sein.
2.4 Vordergliedmaßen

Abb. 2.16 Vordergliedmaße der Griechischen Landschildkröte (Testudo hermanni boettgeri)Die vorderen Gliedmaßen sind kräftig ausgebildet und mit kleinen bis mittelgroßen Hornschuppen versehen. Die Hornschuppen enthalten in der Regel die gleichen Färbungen wie die, des Panzers. D. h. gelbe Hornschuppen sind ebenso vorhanden wie grau-braune und schwarze Hornschuppen. Die nach innen gerichtete (mediale) Seite ist jedoch stets heller/gelber gefärbt als die äußere (laterale) Seite.
Testudo hermanni besitzt an den Vordergliedmaßen fünf Krallen, wobei die sog. Daumenkralle oft nur rudimentär ausgebildet ist oder gänzlich fehlt.
2.5 Hintergliedmaßen

Abb. 2.17 Hintergliedmaße der Griechischen Landschildkröte (Testudo hermanni boettgeri)
Wie bei allen an landlebenden Schildkröten ähneln auch die Hintergliedmaßen der Griechischen Landschildkröte anatomisch und augenscheinlich den Gliedmaßen der Elefanten. Sie sind eher plump aber dennoch feinfühlig (subtil).

Abb. 2.18 Eiablage einer Griechischen Landschildkröte (Testudo hermanni boettgeri)
Mit Hilfe der Hintergliedmaßen sind die weiblichen Tiere in der Lage, die Eigrube auszuheben und anschließend die abgesetzten Eier mit viel Feingefühl exakt zu positionieren. Nach Beendigung der Ablage wird die Eigrube wieder sorgfältig verschlossen.

Abb. 2.19 Verhornter Schenkelbereich der Griechischen Landschildkröte (Testudo hermanni boettgeri)
Die Unterseite des Hinterfußes ist mit mittelgroßen, teils nach unten abstehenden Schuppen versehen. Der Bereich zwischen Oberschenkel und Schwanzansatz ist mit vergrößerten Schuppen bedeckt.
An den Hintergliedmaßen besitzt die Griechische Landschildkröte vier Krallen.
2.6 Schwanz (Cauda)

Abb. 2.20 Schwanzendnagel der Griechischen Landschildkröte (Testudo hermanni boettgeri)
Die Griechische Landschildkröte besitzt am Schwanzende einen stark verhornten Fortsatz (Schwanzendnagel), welcher besonders bei männlichen Exemplaren extrem ausgeprägt ist. Die gesamte Schwanzbasis ist bei männlichen Individuen stark bemuskelt und im Vergleich zu den Weibchen um ein Vielfaches massiger.
Hornkegel zwischen Oberschenkel und Schwanzansatz (Merkmal von Testudo graeca) sind bei Testudo hermanni nicht vorhanden.
2.7 Jungtiere

Abb. 2.21 Zweijähriges Jungtier der Griechischen Landschildkröte (Testudo hermanni boettgeri)
Jungtiere von Testudo hermanni sind im Vergleich zu adulten Exemplaren noch deutlich kontrastreicher gefärbt.

Abb. 2.22 Zweijähriges Jungtier der Griechischen Landschildkröte (Testudo hermanni boettgeri)
Sowohl die hellen, als auch die dunklen Zeichnungen setzen sich auffallend vom Rest der Färbung ab. Bei der westlichen Unterart hält dieser Kontrast auch im hohen Alter an.
3 Unterarten (Subspecies)
Derzeit wird die Griechische Landschildkröte (je nach Auffassung) in 2-3 Unterarten eingeteilt, wobei die Dalmatinische Landschildkröte (Testudo hercegovinensis) wohl eher als eigenständige Art anzusehen ist und deshalb auf dieser Seite separat beschrieben wird (siehe hier!).
3.1 Italienische Landschildkröte
(Testudo hermanni hermanni)

Abb. 3.1 Weibliche Italienische Landschildkröte (Testudo hermanni hermanni) im natürlichen Lebensraum
Die westliche Unterart ist hoch gewölbt und weist eine intensive, meist postgelbe Grundfärbung auf. Die einzelnen Schilde sind mit kräftigen, dunkelbraunen bis schwarzen Zeichnungen versehen, die deutlich vom Rest des Panzers abstechen.
Die Körperlänge liegt bei weiblichen Exemplaren bei 14 bis 21 cm; bei Männchen 12 bis 16 cm. Das Gewicht liegt bei 650 bis 1200 g (Weibchen) bzw. 350 bis 650 g (Männchen).

Abb. 3.2 Bauchansicht (Ventralansicht) einer männlichen Italienischen Landschildkröte (Testudo hermanni hermanni)
Der Bauchpanzer von Testudo hermanni hermanni ist mit zwei durchgehenden, schwarzen Längsbändern versehen. Die Kehlschilde sind stets ohne Schwarzfärbung. Die Zwischennaht der Brustschilde (Pectoralia, rot) ist kürzer als die Zwischennaht der Schenkelschilde (Femoralia, blau).

Abb. 3.3 Typische Schlüssellochzeichnung der Italienischen Landschildkröte (Testudo hermanni hermanni)
Ein weiteres Merkmal ist die sogenannte Schlüssellochzeichnung auf dem fünften Wirbelschild, wobei dieses Merkmal auch einige Vertreter der östlichen Unterart aufzeigen, jedoch selten so deutlich abgesetzt.

Abb. 3.4 Typischer Subokularfleck der Italienischen Landschildkröte
Die Wange von Testudo hermanni hermanni ist mit dem gelb leuchtenden Wangenfleck (Subokularfleck) versehen.
3.2 Griechische Landschildkröte
(Testudo hermanni boettgeri)

Abb. 3.5 Typische Panzerzeichnung der Griechischen Landschildkröte (Testudo hermanni boettgeri)
Die östliche Unterart ist mäßig hoch gewölbt und ocker bis korngelb gefärbt. Die Zeichnungen der einzelnen Schilde sind in der Regel spärlicher als bei Testudo hermanni hermanni und gehen eher weich in die Grundfärbung über.

Abb. 3.6 Griechische Landschildkröte (Testudo hermanni boettgeri) aus Bulgarien
Es sind Exemplare bekannt, die eine fast einfarbige Färbung aufweisen, so wie dieses Exemplar aus Bulgarien. Aber auch eine fast komplett schwarze Färbung ist möglich.
Die Panzerlänge liegt mit 16 bis 26 cm (Weibchen) bzw. 13 bis 21 cm (Männchen) höher als bei der westlichen Unterart. Das Gewicht schwankt bei Weibchen zwischen 1100 und 3000 g, bei Männchen zwischen 600 und 1850 g.

Abb. 3.7 Plastralansicht einer weiblichen Griechischen Landschildkröte (Testudo hermanni boettgeri)
Bei der östlichen Unterart sind die Bänder nicht durchgehend vorhanden, sondern vielmehr zerrissen und verschwommen oder bei manchen Exemplaren fehlt sie gänzlich. Die Zwischennaht der Brustschilde (Pectoralia, rort) ist in der Regel länger als die Zwischennaht der Schenkelschilde (Femoralia, blau) - also genau umgekehrt.
Die Schlüssellochzeichnung ist bei Testudo hermanni boettgeri entweder gar nicht vorhanden oder nur angedeutet/verschwommen, jedoch nie so deutlich wie bei Testudo hermanni hermanni.
Die östliche Unterart weist entweder gar keinen oder nur schwach gefärbten Wangenfleck auf.
4 Unterscheidung der Geschlechter (Sexualdimorphismus)
4.1 Weibchen

Abb. 4.1 Plastralansicht einer weiblichen Griechischen Landschildkröte (Testudo hermanni boettgeri)
Eben geformter Bauchpanzer (Plastron)

Abb. 4.2 Vergleich der Geschlechter der Griechischen Landschildkröte (Testudo hermanni boettgeri), Männchen befindet sich oben links
Weibchen sind deutlich größer als Männchen (oben links) und sind von oben gesehen eher gleichmäßig breit.

Abb. 4.3 Afterschilde einer weiblichen Griechischen Landschildkröte (Testudo hermanni boettgeri)
Afterschilde (Analia) etwa genauso breit wie lang; kurzer Schwanz; Kloakenöffnung eher körpernah (proximal) und kreisrund
4.2 Männchen

Abb. 4.4 Plastralansicht einer männlichen Griechischen Landschildkröte (Testudo hermanni boettgeri)
Nach innen gewölbter (konkaver) Bauchpanzer (Plastron)

Abb. 4.5 Carapaxansicht einer männlichen Griechischen Landschildkröte (Testudo hermanni boettgeri)
Insgesamt kleiner; Panzer ist hinten deutlich verbreitert

Abb. 4.6 Seitliche (laterale) Kopfaufnahme einer männlichen Griechischen Landschildkröte (Testudo hermanni boettgeri)
Wulstartige Ausbildung am Hinterhaupt und kräftigere Kiefermuskulatur

Abb. 4.7 Afterschilde einer männlichen Griechischen Landschildkröte (Testudo hermanni boettgeri)
Afterschilde (Analia) breitgezogen und schmaler; längerer Schwanz; Kloakenöffnung eher körperfern (distal) und schlitzförmig
5 Statistik/Wissenswertes
5.1 Allgemeines
WA-Status:
Washingtoner Artenschutz-übereinkommen |
Anhang II (durch den internationalen Handel stark gefährdete Arten) |
EU-Anhang:
EG-Verordnung 338/97 |
Anhang A (vom Aussterben bedrohte Arten) |
Terra typica:
Fundort des Exemplars, welches der Erstbeschreibung diente. |
Testudo hermanni hermanni: Collobrières, Var, Frankreich
Testudo hermanni boettgeri: Ors,ova, Tal des Cerna, Banat |
Holotypus:
Einzelnes Exemplar, auf dem die Beschreibung der Art basiert. |
Testudo hermanni hermanni: Museum der Zoologie, Universität Straßburg, MZUS 121 |
Namensherkunft: |
Testudo hermanni hermanni: Jean Hermann (1738-1800), Straßburg
Zoologe, Botaniker, Mediziner, Chemiker und Philosoph
Testudo hermanni boettgeri: Oskar Böttger (1844–1910), Frankfurt
Herpetologe |
Ernährung: |
pflanzlich (herbivor) |
Lebenserwartung: |
60-80 Jahre (Habitat)
>/= 100 Jahre (Gefangenschaft) |
Habitat: |
Garrigue, Macchia, Grasebenen |
Temperatur (max.): |
40° C |
Temperatur (min.): |
3° C |
5.2 Fortpflanzung
Hauptpaarungszeit: |
Frühling (März, April) |
Gelegeanzahl: |
1-3 pro Jahr |
Gelegegröße: |
1-9 Eier pro Gelege |
Dauer der Eiablage: |
insg. 60-90 min |
Form der Eier: |
leicht oval |
Größe der Eier: |
33-51 mm |
Gewicht der Eier: |
14-24 g |
Inkubationsdauer: |
56-69 Tage (künstlich) bzw. 80-110 Tage (natürlich) |
5.3 Winterstarre (Hibernation)
Temperatur: |
4,5-6,5° C |
Dauer: |
3-5 Monate (je nach Herkunft) |
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