Herpesvirose (Infektion mit Herpesviren)
Für diese gefürchtete Viruserkrankung sind im Grunde alle Schildkrötenarten empfänglich. Besonders häufig sind jedoch Landschildkröten betroffen. Herpesvirose kann nach Einbringung in einen Bestand innerhalb kürzester Zeit zu massiven Ausfällen führen. Eine Infektion mit dem Herpesvirus ist nicht heilbar. Eine einmal infizierte Schildkröte ist somit lebenslänglich Träger und Ausscheider des Virus und dadurch ein ernstzunehmendes Risiko für alle anderen Schildkröten.
Symptome (Krankheitsbild)
Folgende Symptome können sowohl einzeln als auch simultan (gleichzeitig) auftreten. Auch ein Ausbleiben von Symptomen ist möglich, was vor allem zu Beginn der Erkrankung der Fall ist und das Übertragungsrisiko somit erhöht.
- Stomatitis (Entzündung der Mundschleimhäute)
- Weißlich/Gelbliche Zungenbeläge
- Blepharoödem (Anschwellung der Augenlider)
- Inappetenz (bedingt durch Schnupfen und Entzündung)
- Kachexie (starke Abmagerung)
- Rhinitis (Nasenschleimhautentzündung, Schnupfen)
- Pneumonie (Lungenentzündung)
Diagnose (Feststellung)
Mit Hilfe einer Blutprobe lassen sich Antikörper gegen Herpesviren nachweisen. Dies ist jedoch erst 6 bis 8 Wochen (bei manchen Tieren auch erst nach längerer Zeit) nach der Infektion möglich, da das Immunsystem diese Zeit benötigt, um Antikörper zu bilden.
Das Blut kann jedoch auch mittels Polymeraser Kettenreaktion (PCR-Test) untersucht werden. Hierbei wird direkt nach dem Virus gesucht. Diese Methode ist am teuersten, da sie auch am aufwändigsten ist.
Durch einen Abstrich von Zunge und Rachen kann der Virus ebenfalls direkt nachgewiesen werden. Allerdings ist dies nur möglich, wenn das Tier akut Symptome zeigt.
Therapie (Behandlung)
Herpesvirose ist nicht heilbar. Die Erkrankung kann nur symptomatisch behandelt werden. Primär sollte die Haltung optimiert, Stress vermieden und das Immunsystem durch Immunstimulantien unterstützt werden.
Die Behandlung erkrankter Schildkröten erfolgt in der Regel mit Aciclovir. Dies ist ein humanmedizinisches Medikament, zur Behandlung von Herpesvireninfektionen.
Ätiologie (Ursache)
- Ansteckung über Körperflüssigkeiten erkrankter Schildkröten
Prophylaxe (Vorbeugung)
- Als Übertragungsweg von Schildkröte zu Schildkröte müssen sämtliche Körperflüssigkeiten in Betracht gezogen werden.
- Neuzugänge immer mind. 1 bis 2 Jahre in Quarantäne halten
- Neuzugänge separat überwintern
- Danach 2 Blutuntersuchungen im Abstand von 8 Wochen anfertigen lassen Sind beide Proben "negativ", kann davon ausgegangen werden, dass das Tier keinen Viruskontakt hatte!
Prognose (Aussicht auf Heilung)
Herpesvirose ist nicht heilbar. Die Erkrankung kann nur symptomatisch behandelt werden. Primär sollte die Haltung optimiert, Stress vermieden und das Immunsystem durch Immunstimulantien unterstützt werden.
Sollte sich keine Besserung zeigen, oder sich der Zustand des Tieres verschlechtern, sollte vom Tierarzt eine Euthanasie in Betrag gezogen werden.
Übertragung (Ansteckungsgefahr)
Die Herpesvirose ist hochgradig ansteckend für andere Schildkröten. Sie ist jedoch nicht auf den Menschen übertragbar, da es sich um artspezifische Herpesviren handelt.
Dieser Artikel wurde verfasst von Dominik Müller und zuletzt bearbeitet am
09.01.2012
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